Weisse Bohnen mit Swissness-Faktor
Soja ist eine der produktivsten Kulturpflanzen in Sachen Protein, und kaum eine Nutzpflanze ist so vielseitig wie sie. Einerseits ist die Hülsenfrucht eine hervorragende Proteinquelle für den Menschen. In Asien ist sie bereits seit Jahrtausenden in Form von Lebensmitteln wie Tofu, Miso oder Sojasauce fest verankert. In Europa hat sie in den letzten 30 Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Das liegt vor allem an der steigenden Beliebtheit von vegetarischer und veganer Ernährung.
Andererseits spielen Sojabohnen auch bei der Tierfütterung eine zentrale Rolle. Etwa 75 bis 80 Prozent der weltweiten Erträge werden zu Futtermitteln für Schweine, Hühner und Rinder verarbeitet. Es ist dabei keine Neuigkeit, dass die grossen Mengen an Soja, die weltweit für Tier und Mensch benötigt werden, vor allem in Südamerika zu massiven Problemen für die Umwelt führen. Dazu gehören unter anderem die Abholzung der Regenwälder sowie die Schäden, die durch Monokultur und Überbeanspruchung der Böden entstehen.
Tofu aus Schweizer Soja
Für nachhaltigen Sojaanbau sind also gute Ideen gefragt. Eine solche hatte Hilcona vor zehn Jahren. Die Liechtensteiner fragten sich: Was wäre, wenn wir die Soja für unseren Biotofu in der Schweiz anbauen würden? Also machten sie sich auf die Suche nach Landwirtinnen und -wirten und weiteren Partnern, die damit schon Erfahrung hatten, und tüftelten mit ihnen passende Lösungen aus.
«Die klimatischen Bedingungen in der Schweiz sind natürlich andere als in Südamerika, wo es warm und feucht ist», erläutert Andreas Messerli, Leiter Hilcona Agrar. «Daher brauchten wir spezielle gentechnikfreie Züchtungen, die tiefere Temperaturen vertragen, sowie niedrigere Lagen für den Anbau, da es dort wärmer ist als in Hochlagen.»
Zudem muss das Saatgut vor der Aussaat mit Knöllchenbakterien geimpft werden, die in europäischen Böden nicht natürlich vorkommen. Die Pflanze benötigt sie aber, um Stickstoff aus der Luft aufzunehmen, den sie für ihr Wachstum braucht.
Bioanbau muss ohne chemische und synthetische Pflanzenschutzmittel auskommen. Für Sojafelder ist daher die Unkrautbekämpfung eine Herausforderung. Um die Beikräuter zu entfernen, die zwischen den Reihen wachsen, ist es notwendig, die Böden dort regelmässig mechanisch zu bearbeiten.
«In den letzten zehn Jahren haben wir gemeinsam mit unseren Partnern viele Erfahrungen gesammelt und die Anbaumethoden stetig verbessert und weiterentwickelt. Aktuell testen wir neue Sojasorten, die auch in höheren Lagen gedeihen», berichtet Andreas.
Für mehr Nachhaltigkeit
Mit der regionalen Erzeugung leistet Hilcona einen kleinen, aber richtungsweisenden Beitrag zur nachhaltigen und zukunftsfähigen Landwirtschaft im anspruchsvollen Bereich Soja. Soja ergänzt die Fruchtfolge auf dem Acker ideal und bietet den Landwirten zusätzliche Optionen in ihrer Anbauplanung. «Die Sojapflanze ist Bestandteil einer nachhaltigen Fruchtfolge. Das führt zu gesunden, resilienten Böden», erklärt Andreas.
Durch den Biostandard werden die Sojabohnen ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger angebaut, was der Natur guttut.
Zudem kann durch den Anbau in Europa unter anderem die Entwaldung in Südamerika reduziert werden, was wichtige Ökosysteme schützt.
Biobedarf gedeckt
Heute kann Hilcona seinen Biotofu komplett aus Schweizer Sojabohnen in Bio-Suisse-Qualität herstellen. Und das, obwohl die Nachfrage nach dem Trendprodukt immer grösser wird. «Der Tofuverbrauch ist in der Schweiz in den vergangenen Jahren stark gestiegen», sagt Andreas. «Das liegt auch an den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten, die das Produkt bietet.»
Die Beliebtheit kurbelt auch die Produktentwicklung an, sodass es inzwischen zahlreiche verschiedene Tofusorten im Handel gibt.
Darüber hinaus verwertet Hilcona auch das Nebenprodukt Okara, das bei der Herstellung von Tofu entsteht. Dieser Pressrückstand landete bisher häufig nicht in der Humanernährung. Dabei ist er nährstoffreich und in der Küche vielfältig einsetzbar.
Auch hier kommt die Inspiration aus Asien: In Japan ist Okara ein traditionelles Nahrungsmittel, das beispielsweise als Zutat für Gemüsepfannen, Eintöpfe oder als Füllung verwendet wird. Durch den Trend zu bewusster Ernährung wird Okara aktuell auch in Europa bekannter und beliebter.
Hilcona bringt dieses wertvolle Nebenprodukt auf den Tisch: Kundinnen und Kunden von Coop in der Schweiz finden Bio-Okara im Sortiment «Nice to Save Food». Die Sojastreusel können zum Beispiel einen Teil des Mehls in Brot oder Kuchen ersetzen. Sie eignen sich aber auch als Zutat etwa für Granola, Hummus, Tatar oder Vegi-Burger.
Neben der nachhaltigen Sojaerzeugung setzt Hilcona mit der Okara-Verwertung auch ein Zeichen gegen Foodwaste und für eine echte Kreislaufwirtschaft.